MEZZO
(CZ,DK,IS)
"Secondhand Woman"
|
Fünf Frauen, alle über
dreißig - weder Mädchen noch Damen, gesundes Selbstvertrauen
und natürlicher Weise unsicher. Sie haben unterschiedliche
Pläne. Alle sind freiberufliche Künstlerinnen. Sie sind
im „mittleren Alter“, können nochmals von vorn
anfangen und größere Pläne machen.
 Was
erwartet die Gesellschaft von ihnen? Wie sollten sie aussehen,
wo gehören sie hin? Sie wollen sie selbst sein und sind darauf
eingestellt, ihre freie Wahl zu verteidigen. Fast alle von ihnen
werden als zu unabhängig und zu kompliziert kritisiert. Einige
von ihnen sind verheiratet, andere haben Liebhaber. Wie sieht
das für andere 30jährige aus? Sie sind alle anders und
doch haben sie gemeinsame Probleme: Schaffen versus Familie versus
finanzielle Unsicherheit versus Fähigkeiten, und Talent versus
Unabhängigkeit versus Wunsch nach einem Zuhause versus Bild
von einer guten Ehefrau.
Wie sind Frauen in Tschechien, wie sind sie in Island, wie in
Dänemark oder Deutschland? |
Theme, concept, cast: Secondhand
Women:
Daniela Vorácková (CZ)
Helene Kvint (DK)
Petra More Lustigová (CZ)
Halka Trešnáková (CZ)
Stefania Thors (IS)
directing collaboration: Viktorie Cermákova
music: Lada Plachá
light design: Šárka Havlícková
visual supervision: Maria Šmidl (DK)
corsets: Federica Forni (IT)
lyrics: Elisabet Jökulsdóttir (IS)
& Secondhand Women
production: Dana Dvoráková.
Premiere on the 20th November, 2003, at the Alfred ve dvore (Alfred
in the Yard Theatre), Prague
Performance lasts 80 minutes
The performance is a part of the NEW NET project and came into
existence in co-production with the civic society MOTUS.
PETRA MORE / SEA LUSTIGOVÁ (CZ)
A graduate in acting from the Academy of Performing Arts (DAMU)
in Prague. She was a member of the drama company of the Divadlo
Komedie in Prague and since 1994 she has worked with various ensembles
including A-Studio Rubín, Theatre On the Edge, Tuju, Forward,
DEREVO.
HELENE KVINT (DK)
She studied acting at the School of Stage Art under the theatre
Cantabile 2 (DK). In 1995-2003 she has worked with various theatre
groups, mainly in Germany. Since 1998 she has created several
solo projects which were performed in theatres throughout Denmark,
on Danish TV, in Germany and in the Czech Republic. In 2001 she
co-founded the theatre Antena together with Petr Krušelnický.
STEFANIA THORS (IS)
A graduate from the Department of the Alternative and Puppet Theatre
at the Academy of Performing Arts (DAMU) in Prague, she has lived
and worked in Prague since 1996. She creates mainly motion, visual
and multimedia theatre experiments. In 2003 she created a solo
theatre experiment A Comparatively Peaceful Existence, which won
the „Project of the Year“ award at the Next Wave Festival
in Prague.
HALKA TREŠNÁKOVÁ
(CZ)
Actress and performer, teacher. She graduated from the Department
of Non-verbal and Comedy Theatre of Professor Ctibor Turba. She
works in the Czech Republic and Germany. She took part in Ctibor
Turba’s famous project, Hanging Man (1997) as author and
interpreter. She performed the experiment I Got Dressed and Ate
in her own flat. Trešnáková organises workshops
and collaborates on motion concepts for other drama companies.
DANIELA VORÁCKOVÁ (CZ)
Since 1988 she has collaborated with the poetry theatre, Protoc,
with the Dutch company Dogtroep and others. In the 2001-03 seasons
she worked as literary director of the theatre, Alfred ve dvore
(Alfred in the Yard). In 1999 she founded the theatre formation
Stage Code, together with P. Schenker. |
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Karina Holla (NL)
"Solo Duo" |
Es geraten zwei Frauen in einen
Clinch, in dem das Ausleben von Gefühlen, Ängsten, Sehnsüchten,
Lüsten variationsreich und mit handwerklicher Akribie vorgeführt
wird. Der collageartige Alptraum führt zwei Freundinnen in
einem Spannungsfeld von Annäherung, Besitzergreifung und
Vernichtung vor: in expressiven Bewegungen, Posen und Arrangements
sowie exzessiven Ausbrüchen eskaliert eine Demonstration
menschlicher Verhaltensweisen.
Die schonungslose Rivalität, mit der die
beiden Frauen sich begegnen befördert eine Darstellungstechnik,
die körperliches Verhaltensrepertoire des Alltags ins Extreme
treibt. Es gelingt den Darstellerinnen, die Balance des Spielerischen
zu erhalten. Unablässig kippen Spielsituationen und Theatersituationen
um, vernetzen sich in einem komplizierten Spiel im Spiel, in dem
auch Theaterkonventionen und Theaterformen befragt werden. |
Darsteller: Karina Holla,
Ingrid Kuypers
Regie: Rense Royaards
Produktion: Karina Holla, 1986
Aufzeichnung: 1988, 5. Festival der Woche des
gestischen Theaters im Berliner Prater
KARINA HOLLA (Niederlande)
In den 70er Jahren studierte Karina Holla Pantomime an der Amsterdamer
Theaterschule. Zudem auch Schülerin der Decroux-Mime entwickelte
sie jedoch eine eigene Spielweise, basierend auf physischen Theater.
Angelehnt an das Groteske und Fantastische, entwickelt sie kraftvolle
ausdrucksstarke Charaktere, bei einem gleichzeitig konzentrierten
Gebrauch von Sprache. Einerseits grotesk und extrem körperlich,
andererseits leise und literarisch poetisch, ist es gerade diese
Balance, die Karina Hollas Arbeit auszeichnet.
Seit Beginn der 80er produziert sie ihre eigenen
Stücke. Ihr Interesse gilt häufig berühmten Künstlern
der 20er/ 30er Jahre. So auch in ihrer aktuellen Performance „Precious
Liquids“, die sich mit dem traumatischen Leben der Bildhauerin
Louise Bourgeois beschäftigt.
Für ihre künstlerische Arbeit hat
Karina Holla diverse Preise erhalten. Als Workshopleiterin war
sie auch im Mime Centrum zu erleben. |
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MCB/CTIBOR TURBA
(D/CZ)
"Hanging Man" |
| „Nach
einem Sturz auf den Hügeln von Palava kam eine Zeit, in der
ich alle 'Hängenden' und 'Fliegenden' bewunderte. Viele Jahre
war ich auf die Spinnen eifersüchtig, wie sie sich an ihren
zarten Fäden durch den Raum bewegten“
(Ctibor Turba) |
„Hanging
Man“ – Das Projekt
„Hanging Man“ - so hieß das
gemeinsames Projekt des Prager Mime Theaters 'Alfred im Hof' und
des Mime Centrum Berlin, das drei Jahre der experimentellen Bewegungsstudien
von Prof. Ctibor Turbas Schülern bilanziert.
1995 gelang es dem Mime Centrum Berlin diesen
namhaften Dozenten und Regisseur zum Theaterlabor Berlin’95
einzuladen, um einen Workshop zu geben. Ctibor Turba wählte
einen Workshop (thematische Vorgabe: Bewegung – Raum), der
sich dem Körper unter Einfluß der Gravitation widmete
– Hanging Man.
„Nur in Ausnahmefällen
– und meistens für einen kurzen Augenblick –
geraten wir in Situationen, in denen die Bewegung durch ein
anderes Prinzip bedingt wird. Schwimmen, Fliegen, Fallen, die
Schwerelosigkeit, und eben der Hängezustand. ... Wenn ich
hänge werden die Bewegungen radikal verändert und
stark reduziert. Aber dafür ergibt sich ein Bewegungsvokabular,
das ich bisher noch nicht kennen gelernt hatte.“
(Ctibor Turba)
12 ausgewählte Teilnehmer mit professioneller
Ausbildung bzw. Tätigkeit im Bewegungstheater nahmen an diesem
dreiwöchigen Workshop im Juli / August 1995 teil.
Im August 1996 wurde diese Arbeit innerhalb
eines Research-Projektes fortgesetzt. Hierbei arbeiteten die Bewegungskünstler
mit Bildhauern zusammen. Es ging um die Findung eines adäquaten
Bewegungsmaterials in verschiedenen Hängepositionen bzw.
um die Entwicklung verschiedenster Hängekonstruktionen im
Hinblick auf eine spätere Verwendung für eine Aufführung.
Die Performance schließlich hatte 1997 in Prag Premiere
und war in den darauf folgenden drei Jahren weltweit zu sehen. |
„Hanging Man“ – Die
Performance
„Hanging Man“ wurde von einem Kritiker
als 'Fledermausballett' beschrieben. Die vier Performer hangeln,
hängen und schwingen an der Decke und untersuchen neue Wege
sich mit ihrem Körper in 11 kurzen Bewegungsszenen innerhalb
des Stückes auszudrücken.
„Es ist nicht möglich,
den Hängezustand auf die gewohnte Dauer eines dramatischen
Ablaufs zu verlängern. Es geht uns um kurze Bilder, die
mich an asiatische siebzehnsilbige Gedichte, Haikus, erinnern.
Die Intensität und das Bestreben, die Essenz der Idee in
das Bild hineinzulegen, erinnert mich gleichzeitig an die Zeichnungen
von Matisse.“
(Ctibor Turba)
Begleitet durch die improvisierte Musik des Flötisten
Jiri Stivin ist jede einzelne Szene ein Kampf gegen Konvention
und Gravitation, wobei die Performer, mit dem Kopf nach unten
hängend, sich moderne Mimetechniken zu Nutze machen, um einen
einzigartigen abstrakten Bewegungsausdruck zu erreichen, der die
elementaren und instinktiven Kommunikationsformen bei den Spielern
und beim Zuschauer erwecken soll.
„Nach einigen öffentlichen
Demonstrationen bekam ich das Gefühl, dass es sowohl auf
die Konzentration und den Ausdruck des Mimen ankommt, als auch
vom Zuschauer eine Konzentration gefragt ist, um das Bildnerische
des Hängens aufnehmen zu können. Jede so wahrgenommene
Sekunde verlängert sich, es ist also möglich, mehr
Inhalt in objektiv kurze Zeitebenen hineinzulegen. Technische
Pausen, die im Normalfall unmöglich erscheinen würden,
können somit akzeptabel sein. Ein großes Einatmen
beim Spielen und ein langes Ausatmen in der Pause bei Spieler
und Zuschauer.“
(Ctibor Turba)
Die kurzen, nur ein paar minutenlange Bilder,
mit lakonischen Namen wie Ab-Hängigkeit, Insekten, die Hand,
der Kopf, stellen eine gründliche Sinnesorientierung für
den Zuschauer dar. |
Performer:
Ondrej Lipovský (CZ)
Marc Pohl (D)
Halka Tresnáková (CZ)
Petr Kruselnický (CZ)
Leitung des Projekts und Regie: Ctibur Turba (Leiter
des Lehrstuhls 'Nonverbales Theater' der Prager Akademie HAMU; 1997
Gründung des Prager Mimetheaters 'Alfred im Hof') Premiere:
11. Juni 1997 im Mime-Theater 'Alvred ve dvore' in Prag Aufzeichnung:
26. Juni 1997 im DOCK 11 in Berlin |
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PAUL CLARK (GB,NL)
"Sucking Stones" |
 Angeregt
durch Becketts Text 'Molloy' entwickelte Clark seine Inszenierung
„Sucking Stones“, ein keineswegs absurder, sondern
vielmehr unterhaltender Exkurs über kommandiertes Verhalten
und die Ordnung der Dinge, über die Dialektik von prinzipieller
und lebendiger Ordnung und Freiheit. Der philosophische Tiefgang,
den er banalen Vorgängen abgewinnt, hat etwas Bestechendes,
Intellektualismus und Naivität gehen ein spannungsvolles
und spannendes Verhältnis ein. Die Eindringlichkeit der Aufführung
basiert nicht zuletzt auf der souveränen Körper- und
Sprachbehandlung Clarks. |
Aufzeichnung: 1988 Prater
Berlin, 5. Festival der Woche des gestischen Theaters
PAUL CLARK
Paul Clark wurde in London geboren, studierte dort Theater, Mime
und Tanz. Seit 1978 lebt er in den Niederlanden. Die zahlreichen
Ein-Mann-Stücke, die er geschrieben und aufgeführt hat,
sind weltweit zu sehen gewesen. Seit 2001 ist er zudem bei ’Radio
Netherlands’ als Nachrichtensprecher zu erleben. Seine Begeisterung
für die Mathematik spiegelt sich in seinem künstlerischen
schaffen, so auch in dem Brettspiel 'Krabcek', das Paul Clark
2001 auf den niederländischen Markt brachte.
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EN KNAP & Iztok Kovac (SLO, D)
"Far From Sleeping Dogs" |
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JAQUES
LECOQ (F)
Demonstrationsvortrag in der Akademie der Künste Berlin/O
1987 |
Die
Schule eröffnet Wege für Theater, die noch geschaffen
werden müssen;
diese Theater gehören ganz den Schülern, ihren Ideen,
ihrem Spürsinn.
Lecoq
"Ecole de Mime-Mouvement-Théâtre"
- Lecoqs Schauspielpädagogik
Mit seiner Rückkehr nach Paris gründete Lecoq 1956
die mittlerweile international renommierte Theaterschule. Bis
zum Ende seines Lebens war er dort leidenschaftlicher Lehrer und
entwickelte im Laufe der Zeit eine eigenständige Schauspielpädagogik.
Woraus bestehen seine Lernmethoden und welche Philosophie verbirgt
sich dahinter?
Für Lecoq heißt Auseinandersetzung mit dem Theater
als Beruf gleichzeitig Auseinadersetzung mit der Gesellschaft,
die beim angehenden Schauspieler auch ein Prozess zur Bewusstmachung
der eigenen Stellung im Bereich des Theaters, aber auch in der
Gesellschaft insgesamt in Gang setzen soll. In diesem Sinne steht
für Lecoq die Schauspielausbildung im Zeichen des Verhältnisses
des Körpers mit dem Raum. Daher steht der menschliche Körper
im Vordergrund der Ausbildung. So steht auch das psychologisierende
Spiel ganz am Ende der Ausbildung. Für Lecoq steht das „gemeinsame
Erfühlen“ im Vordergrund, er will die Wiederentdeckung
einer gemeinsamen Sensibilität erwecken.
Der Schüler soll lernen, sich seiner angewöhnten Reaktionen
auf die Umwelt bewusst zu werden und sie für das Schauspiel
so weit wie möglich abzulegen. Der angehende Schauspieler
soll zunächst einfach nur „sein“, ohne sich vom
Willen bestimmen zu lassen. Nur aus dieser Haltung heraus, die
ein Haltung der Offenheit gegenüber der Umwelt ist, kann
die Regung des Schauspielers als Reaktion auf seine Umwelt aus
dem Inneren kommen. Dieser Zustand einer „künstlichen
Kindlichkeit“, der Ausgangspunkt der Lecoq’schen Pädagogik
ist, wird mit dem Mittel der „neutralen Maske“ zu
erreichen gesucht.
Neben der Arbeit mit der Maske ist die „Analyse der Bewegung“
ein entscheidender Punkt in Lecoqs systematisierter und methodischer
Schauspielausbildung. Hierbei wird die Zerlegung eines Bewegungsablaufes
in einzelnen Attitüden geübt. Diese Technik der Dekomposition
dient allerdings nur als pädagogisches Mittel, ist aber niemals
der Effekt der künstlerischen Darstellung. Über dieses
Körperschule soll vielmehr Freiheit und Leichtigkeit im körperlichen
Ausdruck erzielt werden, indem ein Bewusstsein für die Bewegung
und Präzision in der Ausführung trainiert wird.
Im Sinne einer freien und individuellen szenischen Darstellung
ist die Improvisation der dritte Stützpfeiler der Lecoq’schen
Ausbildung. Durch Improvisation soll der Schauspieler für
das Ereignis einer Situation sensibilisiert, seine Vorstellungskraft
herausgefordert werden.
Die Schauspielausbildung Lecoqs versucht also ein Bewusstsein
des Körpers im Raum zu schaffen (und somit ein Bewusstsein
der eigenen Rolle als Schauspieler), ein Gefühl der Gemeinschaft
im Spiel zu erlangen (und zugleich in der Wirklichkeit), zu einem
Begriff der Ökonomie der Geste zu kommen (und somit zum Begriff
des Wesentlichen).
Lecoq’s Schule versucht nicht ein System des Ausdrucks
zu vermitteln, sonder seine Pädagogik schöpft aus dem
Repertoire der Theater verschiedener Völker, Gattungen und
Epochen. Die Auseinandersetzung mit der commedia dell’arte,
der griechischen Tragödie, dem Melodram, der Pantomime, der
Komödie sind fester Bestandteil der Ausbildung.
Und letztlich sollen die Schüler ihre eigene Theatersprache
finden, wie es erfolgreich diverse prominente Absolventen dieser
Pariser Theaterschule demonstrieren.
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Jacques Lecoq wurde 1921
in Paris geboren. Zunächst studierte und unterrichtete er
Körpererziehung und Sport. Sein Interesse an der Körpererziehung
brachte ihn in Kontakt mit Jean-Marie Conty, über den er
Barrault und Artaud kennen lernte.
So kam es, dass Lecoq ab 1945 selbst auf der Bühne stand,
woraufhin er von Jean Dasté in der Gruppe „Comédiens
de Grenoble“ aufgenommen wurde. Er leitete alsbald das Körper-
und Bewegungstraining für seine Schauspielerkollegen. Hier
kam er auch zum ersten Mal mit dem Maskenspiel in Kontakt und
entdeckte die Ideen Copeaus für sich, als dessen indirekten
Erbe er sich später bezeichnete.
1948 ging Lecoq nach Italien, wo er schließlich acht Jahre
lebte. Er führte seine ersten Pantomimenstücke im Universitätstheater
von Padua auf, an dem er unterrichtete, während er auf den
Märkten der Stadt die Commedia dell’Arte entdeckte.
Er traf den Bildhauer Amleto Sartori, mit dem zusammen er die
„neutrale Maske“ entwickelte. Später wurde er
von Giorgio Strehler und Paolo Grassi an das Piccolo Teatro in
Mailand eingeladen, um eine Theaterschule mitzubegründen.
Neben seiner Tätigkeit als Lehrer führte er Regie und
Choreographie und arbeitete unter anderem, mit Dario Fo zusammen.
Er suchte nach neuen Bewegungsformen, angelehnt an zeitgenössische
Musik, die Oper oder alte Traditionen. In diesem Zusammenhang
erfand er auch Bewegungen für den Chorus griechischer Tragödien,
der später eines der didaktischen Elemente seiner Schauspielausbildung
wurde.
1956 ging Lecoq nach Paris zurück und gründete seine
eigene Theaterschule „Ecole de Mime-Mouvement-Théâtre“,
an der er eine eigenständige, körperbetonte Pädagogik
für die Ausbildung von Schauspielern entwickelte und anwendete.
Nebenher arbeitete er für renommierte Theater, hatte weitere
Lehraufträge an Pariser Hochschulen, tourte als Gastlehrer
und Redner, unter anderem mit seinem Demonstrationsvortrag „Tout
Bouge“. Doch vorrangig widmete er sich seiner Theaterschule,
an der er bis zu seinem Tode 1999 unterrichtete. Heute wird diese
Schule von seiner Frau, Fay Lecoq, verwaltet.
Kurz vor seinem Tode brachte Lecoq das Buch „Der poetische
Körper“ heraus und arbeitete mit an zwei 45-minütigen
Dokumentationen seiner Arbeit für das französische Fernsehen.
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Wider
die Entmagnetisierung des Theaters. II
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