_hanging man


PERFORMANCE

Hanging Man ist eines der unkonventionellsten Theaterereignisse der Jahre 1997/98. Von einem Kritiker als ‚Fledermausballett' beschrieben - hängen, schwingen und hangeln die vier Mitglieder der Gruppe - drei Männer und eine Frau - an der Decke und untersuchen neue Wege sich mit ihrem Körper in 11 kurzen Bewegungsszenen innerhalb des Stückes auszudrücken. Begleitet durch die improvisierte Musik des Flötisten Jiri Stivin ist jede einzelne Szene ein Kampf gegen Konvention und Gravitation, wobei die Performer, mit dem Kopf nach unten, über dem Publikum hängend, sich moderne Mimetechniken zu Nutze machen, um einen einzigartigen abstrakten Bewegungsausdruck zu erreichen, der die elementaren und instinktiven Kommunikationsformen bei den Spielern und beim Zuschauer erwecken soll.

Einige Auszüge aus der Tschechischen Presse:

Wie hängt man im ‚Alfred' zwischen Leben und Tod ?
Hanging Man - heißt das Projekt des MimeTheaters ‚Alfred im Hof' und des Mime Centrum Berlin, das drei Jahre der experimentellen Bewegungsstudien von Ctibor Turbas Schülern bilanziert. Mehr als ein Zehntel der kurzen Auftritte erwähnen mit der konzentrierten Kraft der Bildlichkeit nicht nur das japanische ‚Haiku' (wie im Programm gesagt wird) ... sondern stehen mit dem Geist sehr nah dem befreienden Ausdruck von Samuel Beckett. Dies ist eines, der sich immer wiederholenden Motive der begrenzten Bewegung. Vier Mimen von Turba - Halka Tresnaková, Marc Pohl, Petr Kruselnický und Ondrej Lipovský - sind gefesselt in der ‚unmenschlichen' Hängung mit dem Kopf nach unten. Ihre Körper sind dem Raum, der die kosmische Tiefe evoziert, ausgeliefert. Aber zugleich überwinden sie den Zustand der Gravitation. In ihren Körpern verläuft die Bewegung mit reduzierten, elementaren, instinktiven Niveau. Es sind keine gewöhnlichen menschlichen Gesten, die ihre Konvention haben, aber doch rufen sie die Sinnesgefühle hervor, treten sogar in Dialog mit ihnen. Das Besondere - es geht nicht um die Bewegung des Menschen allein, sondern auch um die der Materie und ihre gemeinsamen ‚pränatalen' Bewegungsmöglichkeiten. Die Zunge von Halka Tresnaková veräußert die grundsätzlichen menschlichen Temperamente und sieht zugleich einem Wurm oder Stengel ähnlich, ein belebtes neugieriges Stück Materie, das aus einem trägen Objekt steigt. In den kräftigen oder neurotischen Impulsen, Muskelspannungen und - entspannungen, in den Körperkurven lesen wir außer den abstrakten Mitteilungen auch die menschliche Erfahrung von der eigenen Existenz. Die Ergebnisse der Arbeit von Turba´s Schülern verbinden in Hanging Man die kongenialen musikalischen und bildnerischen Mittel. Die Improvisation von Jiri Stivin atmen wörtlich gemeinsam mit den Mimen und bestimmen die Bedeutungen ihrer Auftritte. Die schwarzen minimalistischen ‚Kostüme' und die kahlen Männerkopfe hinterlassen den Eindruck hingewandt zur asiatischen physischen Kultur, aber auch unterbewusst erwähnen sie auch die erotische ‚Kultur'.
Marie Reslová , Lidové noviny

Eine Vorbildliche Lektion für das gegenwärtige Bewegungstheater gab Ctibor Turba mit seinem unprätentiösem Projekt Hanging Man, das in der Zusammenarbeit seines neuen Theaters ‚Alfred im Hof' und des Mime Centrum Berlin entstanden ist. Der hängende Mensch an sich ist für Turba nichts Neues und Unmögliches, vielleicht nur etwas weniger Bekanntes. Er bezeichnet seine Vorstellung als Studie des Hängezustandes. Für die ‚Aufgehängten' ist dies bestimmt ein Zustand der Erschöpfung. Deshalb werden kurze, nur ein paar minutenlange Bilder mit den lakonischen Namen wie Ab-Hängigkeit, Insekten, die Hand, der Kopf - die eine gründliche Sinnesorientierung für den Zuschauer darstellen. Turba eröffnet mit seinen Protagonisten neue Ausdrucksmöglichkeiten (die Benutzung der Zunge, der Lippen, der Augenlider - oder ausschließlich der Hand), die im Hängezustand eine bestimmende Bedeutung haben. Die Vorstellung wird mit der Musikimprovisation von Stivin potenziert.
Jan Simurda, die Zeitschrift ‚14'.

"Wir laden alle kühnen Zuschauer ein, die Liebhaber von Bildern und grotesken Visionen sind," sagt Ctibor Turba, unter dessen Leitung dieses Projekt entstand. "Nach einem jahrelangem Studium von Hängesituationen schließen wir diese Etappe ab und legen das Ergebnis vor. ...Es entstehen Situationen, bei denen sich die Form der menschlichen Bewegung zu ändern beginnt. "Die Gravitation und der Horizont bestimmen den Charakter der Bewegung. Wenn ich hänge, werden die Bewegungen radikal geändert. Der Charakter der Bewegungen zeigt Formen, die ich bisher nicht kennenlernte."
(zat) Mladá fronta dnes, 11.6.1997