1995 gelang es dem Mime Centrum Berlin den namhaften Dozenten und Regisseur Prof. Ctibor Turba zum Theaterlabor Berlin ´95 einzuladen, um einen Workshop zu geben. Ctibor Turba wählte einen Workshop (thematische Vorgabe: Bewegung - Raum), der sich dem Körper unter dem Einfluss der Gravitation widmete - Hanging Man. "Eine bekannte oder bloß geahnte Existenz, ein winziger, künstlich vervielfältigter und einstudierter Augenblick des Seins - eine anders gefärbte Palette der Bewegungserfahrung. Völlig normal ist es für den Menschen, auf dem Fußboden zu stehen, auf der Straße zu laufen oder auf einem Stuhl zu sitzen. Nur in Ausnahmefällen - und meistens für einen kurzen Augenblick - geraten wir in Situationen, in denen die Bewegung durch ein anderes Prinzip bedingt wird. Schwimmen, Fliegen, Fallen, die Schwerelosigkeit, der Hängezustand. Und eben der letztgenannte Zustand ist Gegenstand unseres Interesses. Es handelt sich um einen relativ passiven Zustand. In dieser einschränkenden, unkonventionellen Position hat der Mensch keine Chance, seinen Existenzwillen zu realisieren. Es fehlt ihm der Bezug zu anderen Personen und Dingen, bietet ihm aber Möglichkeiten für Reflexionen und Überlegungen, die szenisch durch Bewegungen realisierbar sind. Wir werden hängend an Füßen oder am Gürtel arbeiten, mit dem Kopf nach unten oder oben, in statischen oder von außen animierten Hängepositionen." (Workshopbeschreibung Ctibor Turba)
In diesem Workshop sollten in einem unkonventionellen System ungewöhnliche Bewegungsausdrücke ergründet werden. Der Banalität der realen Situation entgegengesetzt, sollte der Weg für ein unbekanntes Gebiet, für unreale Situationen eröffnet werden. Die Hängeposition gilt als ein ständiges Symbol von unbewusster Abhängigkeit. Im Spiel kann der Darsteller von seiner Hängeerfahrung profitieren und diese Sicherheit und Präsens seinem Publikum vermitteln. Es wurden folgende Hängesysteme und -positionen untersucht: Hängen an zwei Füßen, am Gürtel, an einem Fuß. Der Workshop beinhaltete die klassische Improvisation und die dramaturgische Vorbereitung. Die Arbeiten beliefen sich auf Solo- und Duoarbeiten. Hierbei kam es deutlich auf die Schulung der Konzentrationsfähigkeit an. Bei dem, auf wenige Minuten beschränkte Hängen muß eine Idee, eine Absicht klar sein, da man sehr schnell die Kräfte verliert und ohne Konzentration und Expression beim Publikum schnell den Eindruck von Folter erweckt. Den Abschluß des Workshops fand ein Showing, welches zusammen mit Teilnehmern eines anderen Szenographieworkshops erarbeitet wurde. Hierbei spielte die räumliche Gegebenheit des Dachstuhlateliers im Werkstatthaus des Künstlerhofes Berlin-Buch eine günstige Vorraussetzung, die Wirkung und Spielfähigkeit der erarbeiteten Szenen im vorgegebenen Raum zu untersuchen. Das Publikum sollte sich durch feine Manipulation im Raum bewegen. Das Element Licht sollte für den Zuschauer den Raum erschließen, wobei sich das Hauptaugenmerk auf den sich bewegenden Körper in seiner Zerbrechlichkeit, Spiritualität, Diskretion und Subtilität lenkte.
MIME CENTRUM
BERLIN |

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ausgewählte Teilnehmer mit professioneller Ausbildung bzw. Tätigkeit
im Bewegungstheater nahmen an diesem dreiwöchigen Workshop im Juli /
August 1995 teil. Teilnehmer: Claudia Buser (NL), Anne Cavadino (NL),
Michal Deus (CR), Liliana Gavrilescu (ROM), Petr Kruselnický (CR), Istvan
Pálosi (H), Wilfried v/d Peppel (NL), Ionut Pohariu (ROM), Tanja Simma
(A), Patrik Vondrich (CR). Training: Halka Tresnaková; Hospitation,
Notate: Marc Pohl