| MAPA-Workshop Szenographie: Logistik,
Licht, Projektion und Video
20.Juli. - 12.August 1995, Laborphase: 13. bis 21. August 1995
Ide van Heiningen (NL) -Licht, Ed Talens (NL) - Logistik, Frans
van Heiningen (NL) - Projektion, Merit Fakler (D) - Video
‚Wir sind die Herrscher über Formen und Bewegung, über Licht und
über Farbe: Die Bilder, die unser Auge im Alltagsleben zu erforschen
vermag, umschließen nicht endgültig alle Möglichkeiten. Der Wissenschaftler
empfindet es wohl, wenn er durch irgendwelche Hilfsmittel (Mikroskop
oder Teleskop) seinen Blick in jene wunderbare Unendlichkeit taucht.'
(A. Appia)
Das zentrales Thema dieses Intensiv-Workshops zielte auf die
Förderung und Ausprägung des Teamgeistes in der praktischen Theaterarbeit.
In einer Workshopphase vom 20.7. bis 12.8. erhielten die Teilnehmer
die Möglichkeit, sich grundlegende Erfahrungen im Umgang mit den
szenographischen Mitteln Licht, Projektion und Video zu erarbeiten.
In der anschließenden Laborphase vom 13. bis 21.8. wurden diese
Erfahrungen in Zusammenarbeit mit den Dozenten und Teilnehmern
der Bewegungsworkshops weiter erprobt und vertieft. Eigene künstlerische
Entwürfe und Entwürfe, Ideen und Konzepte der Kollegen bildeten
den Ausgangspunkt der praktischen Laborarbeit.
SZENOGRAPHIE. LOGISTIK
Die MAPA-Truss-Konstruktion - ein komplettes und mobiles Theater-Studio
- war in diesem Workshopteil das Untersuchungsobjekt. Der Aufbau
des Systems sowie die Installation der technischen Elemente waren
verbunden mit der Recherche über die Vielfalt ihres Einsatzes
und ihrer Kombinationsmöglichkeiten. Zugleich ging es um die Optimierung
von technischen Handlungsabläufen als Grundlage künstlerischer
Theaterarbeit.
SZENOGRAPHIE. LICHT
Licht fungiert für den Darsteller als Partner: als raumgestaltendes
Element, als autonomes, aber auch den Darsteller begleitendes
Medium. Die Teilnehmer wurden in einem Exkurs mit der Theorie
und Geschichte der Theaterbeleuchtung bis hin zu seinem Einsatz
als souveränem, unabhängigem szenographischem Mittel (Appia, Piscator,
Svoboda und Wilson) vertraut gemacht. Die technischen Aspekte
von Elektrizität und Licht, die Spezifik der verschiedenen Lichtquellen,
Farben, Kontrollsysteme und die internationale Fachterminologie
bildeten ein weiteres Thema. Als Resultat wurde eine eigene Licht-Szenographie
(Licht-Design/Cue-Liste) für einen Darsteller, einen Techniker
und einen Regisseur mit der verfügbaren technischen Ausstattung
erarbeitet.
SZENOGRAPHIE. PROJEKTION
Als modernes, vielfach angewandtes Theaterelement werden die technischen
Sachverhalte und künstlerisch-ästhetischen Konsequenzen des Umgang
mit Projektionstechniken in der heutigen Theaterausbildung kaum
praktisch untersucht. Der Kurs sollte ein Verständnis für die
Möglichkeiten des kreativen Umgangs mit Projektionsmaterial und
-technik im Theaterraum eröffnen. Auf einer variabel nutzbaren
technischen Basis aufbauend, wurden die verschiedenen Projektionstypen
(Linsen, Lichtquellen, Leinwände, Dia- und Projektionswinkel)
studiert und erprobt. Dabei waren fotografische Arbeiten sowie
ihre fototechnische und graphische Bearbeitung ein Zwischenschritt.
Ziel war es, dass der Teilnehmer sein eigenes ‚story-board' und
eine eigenständige künstlerische Projektions-Szenographie erstellen
konnte.
SZENOGRAPHIE. VIDEO ‚Theater muss als autonome Kunst ständig
wiedergeboren werden, damit es sprachfähig bleibt gegenüber den
Zeitgenossen ... Bühne ist nicht Raum, Bühne ist das Bild von
Raum, ist Fläche.' (Achim Freyer) Diese Behauptung war Herausforderung
und Katalysator für die Beobachtungen und Untersuchungen mit und
für Video als Theaterelement. Video als Bühnenelement im Sinne
von projektiver Bühnengestaltung, Video als simultane Widerspieglung
des Bühnengeschehens, Video als vermittelndes Medium zwischen
Darstellender und Bildender Kunst sowie Video als dokumentarisches
Mittel - dies waren die praktischen Arbeitsebenen dieser Projektphase.
Ide van Heiningen Absolvent, später auch Dozent an der
Mimeschule Amsterdam und der Theaterschule Arnhem, Darsteller
und Regisseur der niederländischen Gruppe 'Perspekt', arbeitete
zusammen mit Dario Fo, lan Strasfogel und Harry Kupfer; bis 1991
Direktor des Niederländischen Mime Centrums, seit 1991 Präsident
der 'Europäischen Mime Förderation' (EMF). 1992-93 Direktor des
Jan Bronk Institutes, seit 1993 Künstlerischer Leiter von MAPA.
Frans van Heiningen Absolvent des College für Elektrotechnik
in Amsterdam und der Akademie für Fotografie in Den Haag. Er arbeitet
als Fotograf und Designer für audiovisuelle Theatermethoden, Mitbegründer
des Perspekt-Studios in Haarlem, Dozent an den Bühnenbildakademien
in Helsinki, Amsterdam und Utrecht.
Merit Fakler war Meisterschülerin für Bühnenbild bei Achim
Freyer. Video/Technik-Studium an der Hochschule der Künste Berlin;
mehrere Bühnenbildassistenzen sowie Malerei und Installationen;
1993-95 Leiterin des Videostudios am Mime Centrum Berlin (Videodokumentationen,
Theateraufzeichnungen, Ausbildungsprojekte, Recherche).
Ed Talens besitzt eine 20 jährige Erfahrung als Bühnenmeister
sowie als Licht- und Tontechniker. Mehrere niederländische Rock-
und Theatergruppen begleitete er auf ihren Tourneen durch die
Welt. Seit 1994 ist Ed Talens Dozent für Theaterlogistik bei MAPA.
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